Ein Sonderbrevet Orrientierung beim Tauchen |
Die Sonne schien vorschriftsmäßig als wir ab neun nach und nach auf dem Grundstück von Andy eintrafen. Wir hatten diesen Ort gewählt, in der Hoffnung, daß das Wetter halten würde. Bei schönem Wetter ist Andys Wassergrundstück am Heiligensee ein unschlagbarer Ort für solche Veranstaltungen. Theorie im Freien, Trockenübungen auf der Wiese und der Steg gleich nebenan für die ersten Versuche im nassen Element, damit war auch das Tagesprogramm schon beschrieben. Der Kurs war eigentlich für die Jugendlichen aus unserem Verein geplant, die auch die größte Gruppe bildeten, Rene (verzeih, daß der verwendete Zeichensatz kein Accent hat), Ina und Nicole waren dabei und dazu gesellten sich mit Ralf und Frank noch zwei Erwachsene. Aufgrund der Ausschreibung im Sporttaucher hatten sich auch noch zwei "externe"angemeldet, dann aber einen Tag vorher abgesagt, so blieben wir unter uns. Auch einige Jugendliche fanden kurzfristig nicht den Weg, mit Julian hatte ohnehin keiner ernsthaft gerechnet (hätte man ja aus dem Bett kommen müssen) aber auch Marius blieb der Veranstaltung unter Hinweis auf seinen Geburtstag (oder so) einen Tag vorher (!) fern.
Am Anfang stand also "graue" Theorie auf dem Programm. Unter einem Baum im Garten sitzend ist diese allerdings weniger grau. Natürlich stellte der Arbeitsplatz gewisse Anforderungen an Lehrer und Gruppe. Keine Folie, keine Tafel - aber das wollten wir ohnehin nicht. Anschauungsmaterial war reichlich vorhanden und Folien konnte man in die Mitte des Tisches legen und dann von allen Seiten betrachten.
Ohnehin stand sehr bald learning by doing auf dem Programm. Verzeihung, learning by walking doch wohl eher. Am Anfang wollte das alles nicht so recht - muß ich nun da was abziehen oder addieren? Wenn ja wieviel? Und vor allem warum?! Aber mit der Zeit haben wir das hinbekommen.
Auch wenn so mancher an seltsamen Stellen rausgekommen ist oder - wie hier Ina - die Sache ausgesprochen kritisch betrachtet hat. Das Gelernte mußte nach der Mittagspause selbstverständlich auch gleich in die nasse Praxis umgesetzt werden.
Zunächst mit ABC galt es "einfach" nur eine Boje anzupeilen und möglichst auch zu treffen. Wer sich angesichts der damals herrschenden Temperaturen fragte warum der Tauchlehrer das Tragen von Neopren empfahl, mußte nur die ersten Peilversuche abwarten. Die "besten" endeten am Nachbarsteg. Mit dem Zählen von Flossenschlägen bei gleichzeitigem Halten der Peilung waren alle zunächst einheitlich überfordert. Hier zeigte sich, daß die Erwachsenen an Disziplin und Konzentrationsvermögen den Jugendlichen überlegen waren. Diese wiederum brauchten dafür aber keine Pausen. Scharf beäugt wurde das Treiben vom - wie üblich wasserscheuen - Tauchlehrer. (Der einen kennt und der kann tauchen.)
Wer aber glaubt daß dies ein ausschließliches Zuckerschlecken in charmanter Begleitung war, der hatte Recht - aber das dicke Ende kam am Abend - der Sonnenbrand! Im Ganzen dauerten die ersten Versuche, es kamen auch noch Dreiecke und Rechtecke dazu, gut vier Stunden, Zeit genug um auf dem Wasser zu verbrennen. Da halfen auch die freiwilligen Bäder zwischendurch nicht weiter. Das schlimmste an dem Sonnenbrand war, daß man ihn am nächsten Tag unter den Taucheranzug und unter das Gerät packen mußte.
Am Abend stand noch ein gemütliches Grillen mit einem kleinen bißchen Theorievertiefung, etwas Nachbesprechung und Manöverkritik und vielen Würstchen und gegrillten Schweinen auf dem Programm. Das dann auch mit Kind und Kegel und Familie. Am nächsten Tag folgte ein Ausflug an die Helene. Bis zu vier Tauchgänge waren erforderlich, bis die Übungen so saßen, daß man die Schüler damit ins Wasser lassen konnte.
Eigentlich fing es alles auch hier ganz harmlos an. Anpeilen und Treffen einer Boje. Nur die lag natürlich weiter draußen als gestern und Andy und Jens beäugten zu Wasser und zu Lande peinlich scharf, daß auch die vorgegebene Tiefe von drei Metern eingehalten wurde. In Zweiergruppen wurde dann Dreiecke und Vierecke getaucht, die nach und nach immer eckiger wurden und gelegentlich auch geschlossene Formen darstellten, will heißen, gelegentlich kamen die Gruppen auch da raus, wo sie reingegangen waren. Fast schon eine Erholung war dagegen der abschließende Tauchgang nach natürlichen Gegebenheiten. Das war wenigstens ein richtiger Tauchgang! Die Gruppen haben ihn richtig genossen, wenngleich die damit gleichzeitig verbundene Erfahrung der Gruppenführung nicht immer so unproblematisch war. Die Tauchlehrer hielten sich hier im Hintergrund und begleiteten die Gruppen nur unauffällig.
Nach dem Wochenende waren wir alle etwas schlauer und einige um einen Aufkleber in dem Taucherpaß reicher. jek |