Reisebericht von Andreas Graf über seinen
Tauchurlaub auf Sipadan

Sipadan ist eine kleine Insel vulkanischen Ursprungs, die sich östlich Borneos in der Celebes-See befindet und zu Malaysia gehört und leider eine unrühmliche Bekanntheit durch die Entführung von Touristen durch philippinische Rebellen erlangt hat.

Nach der Landung in Kota Kinabalu der Provinzhauptstadt von Sabah ging es über Sandakan weiter nach Tawau, einer kleinen Stadt im Osten Sabahs. Von hier erfolgte eine ca. zweistündige Busfahrt zum Hafen von Semporna, von wo aus die Boote nach Sipadan abgehen. Semporna zeigte sich als typisch asiatischer Hafenort in dem hauptsächlich die einheimischen Fischer anlanden. Nach Erledigung der für den Transfer nach Sipadan nötigen Formalitäten gingen wir an Bord des resorteigenen Schnellboots um dann auch gleich abzulegen und Kurs auf Sipadan zu nehmen. Nach verlassen des Hafens fuhren wir in kristallklarem Wasser vorbei an einer ganzen Reihe wunderschön bewachsenen kleinen Inseln und bekamen einen ersten Eindruck von der Natur in dieser Region. Auf den unbewohnten Inseln gab es noch Vorkommen von Primärwald und hier und da kreisten Seeadler und andere seltene Vögel über den Bäumen. Kurz darauf verließen wir dann das Archipel um auf die offene Celebes-See hinaus zu fahren. Die 2X200 PS starken Außenbordmotoren brachten uns, vorbei an mitten im Meer gelegenen Pfahldörfern von sog. Seezigeunern, schnell voran. Ein mitreisender Malaie erklärte uns, dass es in dieser Region immer wieder zu Überfällen durch Piraten kommt und er deshalb sehr zufrieden sei, dass wir so starke Motoren haben. Nach ca. einer Stunde erreichten wir dann ohne Zwischenfälle unser Ziel.
Als Sipadan in Sichtweite kam, hatte man im ersten Moment den Eindruck eine typische Malediveninsel anzulaufen. Genau so sieht Sipadan nämlich aus. Fast rund, mit Palmen bewachsen und mit weißen Stränden versehen. Die Vorfreude auf die Tauchgänge stieg.
kleine InselAuf der Insel gibt es mehrere einfache Bungalow-Resorts, die alle über eine eigene Tauchbasis verfügen.
Die verschiedenen Resorts erstrecken sich über die halbe Insel, wobei die andere Hälfte nur in Begleitung eines Rangers zugänglich ist, da hier die Brutstätten von Schildkröten liegen. Wir sind im „Abdillah Sipadan Paradise Resort“ abgesteigen.
Die Anlage liegt direkt am Strand und besteht sowohl aus Einzel- als auch aus zweistöckigen Bungalows sowie einer offenen Lobby die auch als Restaurant dient. Am Strand stehen Liegen mit Auflagen zur Verfügung. So schön sich das vielleicht anhören mag, Sipadan ist kein Ort für einen Badeurlaub. Hier geht es nur um das eine, nämlich Tauchen.
Bei Ebbe ist das Schwimmen nicht möglich und da es sich um eine Hochseeinsel handelt, sollte man nicht unbedingt über das Außenriff hinaus gehen.
das Resort Nach dem Bezug des Zimmers ging es sofort zur Tauchbasis zum einchecken. Da die meisten der anwesenden Taucher Sipadan lediglich für drei bis vier Tage besuchen, geht dieses Prozedere sehr schnell und unbürokratisch über die Bühne da man ja schließlich ins Wasser möchte. An dieser Stelle sei angemerkt, dass auf Sipadan keine Ausbildung oder Fortbildung angeboten wird und offiziell mindestens ein Silber-, CMAS 2*- oder Advanced-Brevet gefordert wird. Kurze Zeit später hieß es auch schon anrödeln und ab zum briefing für den orientation-dive. Dieser wurde am sog. „Drop Off“, dem hervorragenden Hausriff durchgeführt. Der Artenreichtum an Korallenfischen und die enorme Anzahl der Schildkröten schlugen uns sofort in ihren Bann und machten Appetit auf mehr. TauchbootDer sollte in den folgenden Tagen auch überreichlich gestillt werden. Obwohl Sipadan eine kleine Insel ist, werden über 10 Tauchplätze angeboten, die allesamt mit dem Boot in max. 10 Minuten erreicht werden. Sehr gut gefällt, dass in Gruppen von max. 5 – 6 Personen getaucht wird. Es wird hier getaucht was das Zeug hält. Non-Limit-Diving heißt hier, dass wir die Möglichkeit hatten täglich sechs Bootstauchgänge zu unternehmen und wer noch nicht genug hatte, konnte vom Steg am „Dop Off“ weitermachen.
Da Sipadan vulkanischen Ursprungs ist und wie ein Pilz vom Meeresboden aufragt, gibt es dort keine flachabfallenden Riffkanten, sondern man taucht hier überwiegend an Steilwänden, Vorsprüngen und Überhängen, die mehrere hundert Meter tief abfallen. Die Tauchplätze sind alle überwältigend und von unterschiedlicher Schwierigkeit und tragen so klangvolle Namen wie „Barracuda-Point“,  „Coral Garden“,  „Turtle Patch“ oder „Lobster Lair“.

Schildkröte
Die Strömung kann teilweise sehr stark sein, was allerdings die Begegnungen mit Großfischen ermöglicht. Da kommt es schon mal vor, dass bei der Verfolgung eines Hammerhais der Blick auf den Tiefenmesser vergessen wird oder die Attacke eines großen Drückerfischs für ungewollte Spannung sorgt.
Nach einem erlebnisreichen Tauchtag trifft sich die internationale Tauchergemeinde“ zu einem sehr schmackhaften Abendessen im Restaurant.

Koralle mit Fisch

Vorwiegend wird Fisch und anderes Meeresgetier angeboten,
welches frisch gefangen wurde. Der Abend endet beim gemütlichen Beisammensein und dem Austausch jeder Menge Taucherlatein. Die Jungs von der Basis sorgen mit Gitarre und Gesang, sowie einem eigenen Inselsong, in dem die verschiedenen Tauchplätze besungen werden, für zusätzliche Unterhaltung, was einem garantiert
unvergessliche Stunden beschert.

Trotz der beschwerlichen Anreise, den einfachen Unterkünften und der Entführung von Touristen ist Sipadan ein (wenn auch nicht preiswerter)
Dive-Spot der Extraklasse und kann nur empfohlen werden.

Gruß Andreas