Sipadan ist eine kleine Insel vulkanischen Ursprungs, die sich östlich Borneos in der Celebes-See befindet und zu Malaysia gehört und leider eine unrühmliche Bekanntheit durch die Entführung von Touristen durch philippinische Rebellen erlangt hat.
Nach der Landung in Kota Kinabalu
der Provinzhauptstadt von Sabah ging es über Sandakan weiter nach
Tawau, einer kleinen Stadt im Osten Sabahs. Von hier erfolgte eine ca.
zweistündige Busfahrt zum Hafen von Semporna, von wo aus die Boote
nach Sipadan abgehen. Semporna zeigte sich als typisch asiatischer Hafenort
in dem hauptsächlich die einheimischen Fischer anlanden. Nach Erledigung
der für den Transfer nach Sipadan nötigen Formalitäten gingen
wir an Bord des resorteigenen Schnellboots um dann auch gleich abzulegen
und Kurs auf Sipadan zu nehmen. Nach verlassen des Hafens fuhren wir in
kristallklarem Wasser vorbei an einer ganzen Reihe wunderschön bewachsenen
kleinen Inseln und bekamen einen ersten Eindruck von der Natur in dieser
Region. Auf den unbewohnten Inseln gab es noch Vorkommen von Primärwald
und hier und da kreisten Seeadler und andere seltene Vögel über
den Bäumen. Kurz darauf verließen wir dann das Archipel um auf
die offene Celebes-See hinaus zu fahren. Die 2X200 PS starken Außenbordmotoren
brachten uns, vorbei an mitten im Meer gelegenen Pfahldörfern von
sog. Seezigeunern, schnell voran. Ein mitreisender Malaie erklärte
uns, dass es in dieser Region immer wieder zu Überfällen durch
Piraten kommt und er deshalb sehr zufrieden sei, dass wir so starke Motoren
haben. Nach ca. einer Stunde erreichten wir dann ohne Zwischenfälle
unser Ziel.
Als Sipadan in Sichtweite
kam, hatte man im ersten Moment den Eindruck eine typische Malediveninsel
anzulaufen. Genau so sieht Sipadan nämlich aus. Fast rund, mit Palmen
bewachsen und mit weißen Stränden versehen. Die Vorfreude auf
die Tauchgänge stieg.
Auf
der Insel gibt es mehrere einfache Bungalow-Resorts, die alle über
eine eigene Tauchbasis verfügen.
Die verschiedenen Resorts
erstrecken sich über die halbe Insel, wobei die andere Hälfte
nur in Begleitung eines Rangers zugänglich ist, da hier die Brutstätten
von Schildkröten liegen. Wir sind im „Abdillah Sipadan Paradise Resort“
abgesteigen.
Die Anlage liegt direkt am
Strand und besteht sowohl aus Einzel- als auch aus zweistöckigen Bungalows
sowie einer offenen Lobby die auch als Restaurant dient. Am Strand stehen
Liegen mit Auflagen zur Verfügung. So schön sich das vielleicht
anhören mag, Sipadan ist kein Ort für einen Badeurlaub. Hier
geht es nur um das eine, nämlich Tauchen.
Bei Ebbe ist das Schwimmen
nicht möglich und da es sich um eine Hochseeinsel handelt, sollte
man nicht unbedingt über das Außenriff hinaus gehen.
Nach dem Bezug des Zimmers ging es sofort zur Tauchbasis zum einchecken.
Da die meisten der anwesenden Taucher Sipadan lediglich für drei bis
vier Tage besuchen, geht dieses Prozedere sehr schnell und unbürokratisch
über die Bühne da man ja schließlich ins Wasser möchte.
An dieser Stelle sei angemerkt, dass auf Sipadan keine Ausbildung oder
Fortbildung angeboten wird und offiziell mindestens ein Silber-, CMAS 2*-
oder Advanced-Brevet gefordert wird. Kurze Zeit später hieß
es auch schon anrödeln und ab zum briefing für den orientation-dive.
Dieser wurde am sog. „Drop Off“, dem hervorragenden Hausriff durchgeführt.
Der Artenreichtum an Korallenfischen und die enorme Anzahl der Schildkröten
schlugen uns sofort in ihren Bann und machten Appetit auf mehr.
Der
sollte in den folgenden Tagen auch überreichlich gestillt werden.
Obwohl Sipadan eine kleine Insel ist, werden über 10 Tauchplätze
angeboten, die allesamt mit dem Boot in max. 10 Minuten erreicht werden.
Sehr gut gefällt, dass in Gruppen von max. 5 – 6 Personen getaucht
wird. Es wird hier getaucht was das Zeug hält. Non-Limit-Diving heißt
hier, dass wir die Möglichkeit hatten täglich sechs Bootstauchgänge
zu unternehmen und wer noch nicht genug hatte, konnte vom Steg am „Dop
Off“ weitermachen.
Da Sipadan vulkanischen Ursprungs
ist und wie ein Pilz vom Meeresboden aufragt, gibt es dort keine flachabfallenden
Riffkanten, sondern man taucht hier überwiegend an Steilwänden,
Vorsprüngen und Überhängen, die mehrere hundert Meter tief
abfallen. Die Tauchplätze sind alle überwältigend und von
unterschiedlicher Schwierigkeit und tragen so klangvolle Namen wie „Barracuda-Point“,
„Coral Garden“, „Turtle Patch“ oder „Lobster Lair“.


Trotz der beschwerlichen Anreise,
den einfachen Unterkünften und der Entführung von Touristen ist
Sipadan ein (wenn auch nicht preiswerter)
Dive-Spot der Extraklasse
und kann nur empfohlen werden.
Gruß Andreas